Interview mit Deutschlehrerin Helmine Pop vom „Alexandru Papiu Ilarian“ Kolleg aus Neumarkt ( Târgu- Mureș)
Emma: Wie populär ist die deutsche Schule in Rumänien? Kommen viele Schüler zur deutschen Abteilung oder genau im Gegenteil wenigere, weil es in Rumänien wenige Sachsen gibt?
Frau Pop: „Man weiß ja inzwischen, dass über 90% der Schüler gar nicht aus deutschenFamilien kommen, das heißt, dass die deutsche Schule bei den rumänischen Familien Einklang findet, vor allem in den Familien, wo die Eltern einen bestimmten Bildungsgrad haben. Die deutsche Bevölkerung zählt nicht mehr in dieser Gleichung, weil sie ja so wenige sind. Die deutsche Schule lebt also von den rumänischen Schülern, die an die deutsche Schule kommen. Dass wir dabei Schwierigkeiten haben, was das Erlernen der Sprache anbelangt, ist natürlich eine andere Sache. Es ist so, dass die Bildunspolitik dabei nicht unbedingt förderlich ist, denn inzwischen verlangt man ja, dass 30 Schüler in einer Klasse sind und das ist in einer Minderheitenschule schwer zu verwirklichen.“
Emma: Sie haben gesagt, dass viele rumänische Schüler zur deutschen Abteilung kommen. Also man kann nicht mehr sagen, dass die Eltern einen Vorurteil hätten, was die deutsche Schule anbelangt, und zwar, dass die Kinder nichts mit der deutschen Sprache anfangen könnten. Oder?
Frau Pop: „ Ich glaube, dass es dieses Vorurteil auch nie gegeben hat. Im Gegenteil, es hat in der Vergangenheit Schwierigkeiten gegeben, die Schüler, die nicht deutscher Abstammung waren, in die deutsche Schule zu schicken. Das ist nach der Wende nicht mehr so. Und dass sie damit nichts anfangen können, ist nicht wahr. Die Eltern wussten schon immer, dass die Kinder mit der deutschen Sprache etwas anfangen können, denn man hat auch in den vergangenen Jahren nach Westen geguckt und außerdem gibt es viele deutsche Firmen, die in Rumänien ja ihren Sitz haben und wo man einen viel besser bezahlten Arbeitsplatz kriegen kann als in einer rumänischen oder staatlichen Firma.“
Emma: Was ist anders in einer deutschen Schulbildung im Vergleich zur rumänischen?
Frau Pop: „ Anders ist – und das ist wahrscheinlich das was am meisten auffällt – dass sich die Lehrer anders um ihre Schüler kümmern und dass sie ein viel engeres, viel menschlicheres Verhältnis zu ihren Schülern haben. Die Schüler werden von ihren deutschsprachigen Lehrern bis zur zwölften Klasse begleitet und unterstützt, was in vielen Fällen in der rumänischen Abteilung fehlt. Eine andere Tatsache ist, dass nicht nur Wissen übermittelt wird, sondern dass man wirklich von einer Bildung sprechen kann. Ich denke, das hat jeder Schüler in der deutschen Abteilung bemerkt, dass man keine Kommentare auswendig lernen muss, dass man selber denken muss, dass man ihnen beibringt selber eine Präsentation zu machen, dass die Schüler dazu angehalten werden selber zu sprechen und nicht verschieden Kenntnisse wiederzugeben, was zum Beispiel in Rumänisch der Fall ist. Was ist noch anders? Es ist anders, das Schüler ganz unterschiedlicher Herkunft da sind, sowohl was die Nationalitäten anbelangt, als auch Religionen und sozialer Stand.“
Emma: Mögen die Schüler Deutsch im Allgemeinen?
Frau Pop: „ Ich denke, das ist von Schule zu Schule unterschiedlich, es hängt von den Lehrern ab, wobei ich denke, dass die Frage grundsätzlich mit JA beantwortet werden muss, sonst wären sie ja nicht an der deutschen Abteilung“.
Emma: Was für Vorteile gibt es Deutsch als Muttersprache zu lernen und nicht nur 1-2 Stunden pro Woche?
Frau Pop: „ Es ist ganz klar, wenn man alle Unterrichtsfächer auf deutsch unterrichtet, dann kommen die Schüler viel mehr mit der deutschen Sprache in Kontakt, das ist das eine. Das andere ist natürlich finanzieller Art. Eine Fremdsprache lernen die Schüler hier zu Lande auch mit Hilfe von Privatunterricht und der kostet eine Menge Geld. Mit zwei oder sogar einer Wochenstunde, wieviel im Lehrplan vorgesehen sind, glaube ich, lernt man eine Fremdsprache nicht so, dass man sie fließend sprechen kann.“
Emma: Was für Chancen hat man im Leben mit Deutsch im Vergleich zu Englisch oder Französisch?
Frau Pop: „ Wir sind ja auf Europa ausgerichtet, Rumänien ist ja ein Mitglied der Europäischen Union und ich denke, die meisten, die blicken nach Europa und nicht über den Ozean nach Amerika. Und wenn wir uns Europa ansehen, dann kann man sehen, dass die meisten Muttersprachler in Europa Deutsche sind. Wir wissen, wenn wir nach Westen fahren, fahren wir durch deutschen Raum, bevor wir zu den Franzosen oder sogar zu den Engländern kommen. Die Wirtschaft Europas wird in einem großen Maße von Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum bestimmt und so denke ich, habe ich die Frage beantwortet. Und nicht zu vergessen die deutsche Kultur ist eine der wichtigsten in Europa.“
Emma: Das wäre alles. Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen.
Frau Pop: „ Ich danke dir auch.“
Ein Interview von
Emma- Katharina David












