In dieser Ausgabe werden Sie über die Arbeit und das Leben eines echten Gentlemans und Schriftstellers von Genie lesen: Hans Bergel.
Hans Bergel (26. Juli 1925 in Rosenau, Rumänien) ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er lebte bis 1968 in Kronstadt, Siebenbürgen und wanderte dann nach München, Bayern aus.
Einige aus der Vielfalt seiner Werke:
Die Rennfüchse (1969)
Im Feuerkreis, 10 Erzählungen (1972)
Würfelspiele des Lebens : Vier Portraits bedeutender Siebenbürger, Conrad Haas, Johann Martin Honigberger, Paul Richter, Arthur Phleps. München: Meschendörfer, (1972)
Die Sachsen in Siebenbürgen nach dreißig Jahren Kommunismus, Studie (1975)
Der Tanz in Ketten, Roman (1977)
Siebenbürgen, Bilder einer europäischen Landschaft (1980)
Gestalten und Gewalten, Essays, Aufsätze, Vorträge (1982)
D.R: Guten Tag und vielen Dank für die Zeit. Das Gespräch mit Ihnen, habe ich mir gedacht, soll zwei Teile enthalten: einerseits “Das Leben im Goldenen Alter ” und andererseits “Das Werk” eines genialen Schriftstellers.
Wir wissen alle, dass Sie 1959 während des Kommunismus, zu 15 Jahre im Gefängnis verurteilt wurden, nur weil Sie zur Gruppe der „Deutschen Schriftsteller” gehörten. Wie haben Sie sich damals ohne Ihre Familie gefühlt? Sie waren noch jung mit 34, als Ihnen das Leben ironisch zulächelte und Ihre Handschriften gegen Ihnen wandte.
Bergel: 1959 stand ich zum dritten Mal vor einem politischen Gericht. Dieses Mal leutete meine Verurteilung: feindlicher Doppelsinn einer 1957 veröfentlichten und 1958 preisgekronten Novelle. Die Richter waren der Ansicht, dass ich, ein Feind des kommunististen Systems, für 15 Jahre ins Gefängnis gehörte. Natürlich fühlte ich mich ohne Familie, Freunde und Bekannte sehr verlassen. Aber ich hatte Leidensgefährten in der gleichen Lage. Wir ermutigten uns gegenseitig. Im Ganzen war ich länger als 7 Jahre im Gefängnis.
D.R: Man könnte sagen, Sie hatten ein nicht gemütliches Leben: Sie entkamen dem Gefängnis, wieder danach waren Sie Sportler und auch Geigenspieler in einem musikalischen Theater. Gibt es etwas, dass Sie aus Ihrer Vergangenheit bereuen? Oder etwas, was Sie haben tun wollen und nicht geschafft haben?
Bergel: Im Grunde genommen, bereue ich nichts. Ich bereue vielleicht Kränkungen, die ich Anderen zufügte, freilich ohne böse Absicht. Ich bereue die Jahre im Gefängnis nicht. Ich erfuhr mehr Kameradschaft und Freundschaft als in Jahren der Freiheit. Die Freiheit ist ja, nach meiner Auffassung und Erfahrung, ein inneres Gut. Vor allem dies. Aber dies ist schon eine philosophische Frage. Sie gehört nicht in ein Interview. Was mich nicht glückte in meinem Leben und was ich gerne gemacht hätte: durch die Welt reisen, um fremde Kulturen, Kontinente, Länder, Menschen kennen zu lernen. Ich bin zu spät aus der Kommunistischen Welt entkommen.
D.R: ”Liebe Genossinnen und Genossen, Bürger der Sozialistischen Republik Rumänien”. Was denken Sie, wenn Sie diesen Anfang wohlbekannten Redens hören? Welche Erinnerungen werden dabei wach? Vielleicht eine Nostalgie oder eine Erleichterung, dass Sie diese Zeit nicht mehr erleben haben.
Bergel: Auch das eine, auch das andere. Die kommunistiche Diktatur konnte mir meine Vitalität, meinen Wunsch zu leben, zu lieben und mich an schönen Dingen gemeinsam mit Anderen zu freuen, nicht nehmen. Nur wenn es diese Dinge nicht gegeben hätte, hätte ich nicht überlebt. Aber ich habe überlebt. Viele haben nicht überlebt. Das dürfen wir nicht vergessen.
D.R: Einige Leute vergessen die Vergangenheit, nachdem sie in die Demokratie “gelandet sind“ und denken jezt an das Verb “machen” und “sprechen (frei, wenn möglich!)“. Welches ist das Verb, nach dem Sie Ihr Leben gestalten?
Bergel: Ich glaube, der Mensch hat genügend gute Eigenschaften, um sinnvoll zu leben, um sein Leben mit wesentlichen Werten zu bereichern. Die wahre Satisfaktion eines Menschenlebens besteht nicht in materiellen Gütern. Freilich brauchen wir auch eine materielle Basis. Aber es gibt darüber hinaus die eigentlichen Werte: Kultur, Musik, Dichtung, Wissenschaft, Philosophie; diese schenken uns die wirkliche Befriedigung.
D.R: Mit dieser Frage können wir den ersten Teil des Interviews beenden. Nachdem wir das Leben des Menschen Hans Bergel erfahren haben, kann man auch das Werk des Schrifftstellers Hans Bergel in Frage stellen.
Nach so vielen schlechten Erfahrungen, haben Sie mehr als 20 veröffentlichte Bücher und viele Preise erhalten. Nachdem Sie in Rumänien verhaftet wurden, sind Sie jetzt ein wichtiger Schriftsteller und eine wichtige Person.
Bergel: Ich habe bis heute nicht 20, sondern 40 Bücher veröffentlicht, das letzte vor 2 Wochen. Der Orden für Kulturelle Dienste, von dem du sprichst, hat mich mit Dank erfüllt, weil er mir zeigte, dass mich die Rumänen nicht vergassen. Mich haben nicht die Rumänen, auch nicht Rumänien ins Gefängnis gebracht, sondern die Kommunisten und das kommunistischte System. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Ich habe zu viele Freunde unter den Rumänen, meine Feinde sind die Kommunsiten, unabhängig von ihrer Sprache.
D.R: Welcher Schriftsteller hat ihren Stil am meisten beeinflusst?
Bergel: Ganz eindeuchtig, der deutsche Novellist Heinrich von Kleist. Aber auch der französische Romanautor Flaubert. Später auch der amerikaner Hemingway.
D.R: Man sagt “Der Morgen macht den Tag”. An welchem Morgen, so zu sagen, haben Sie sich entschieden, Schriftsteller zu werden?
Bergel: Sehr spät. Der Leistungsport zug mich an. Dann dachte ich daran, Musik zu studieren, wie mein Bruder, der Dirigent wurde. Erst als ich ungefähr 30 Jahre alt war, wurde mir klar, dass mein Leben das Schreiben ist.
D.R: Sie sagten in einem Interview, dass Emotionen nichts in der Literatur zu suchen haben, dass die Tatsachen das Publikum gewinnen. Sie haben ein ganzes Publikum, das Sie liebt, doch sie weigern sich mit einem Genie zu vergleichen. Welche sind die wahren Schriftsteller von Genie aus Ihrer Perspektive?
Bergel: Oh ja, die Kunst, die Literatur ohne starke Gefühle sind wie nichts. Aber genauso wichtig ist immer das professionelle Können und diese sind rationaler Natur, haben also mit dem Verstand zu tun. In der Literatur muss ständing gelernt werden. Die wirklichen Genies in der Literatur? Ich sprach von dem Deutschen Kleist, ich füge den Namen Goethe hinzu. In jeder Sprache, im jeden Volk gibt es Genies in der Literatur, ich nehme in der rumänischen nur einen großen Namen: Eminescu. Wir müssen sie hier nicht alle aufzählen.
D. R: Mit dieser Frage ist unser Interview am Ende. Ich möchte mich an Ihnen bedanken, dass Sie meine Fragen beantwortet haben und ich hoffe auf ein Wiedertreffen, in der Hoffnung eines neuen Interviews.
Ein Interview realisiert von
Maria-Daniela Roșescu












