Interview mit der Schriftstellerin Karin Gündisch

Karin Gündisch geboren 5. April 1948 in Cisnădie, Kreis Hermannstadt ist eine deutsche Kinder- und Jugendschriftstellerin. Die Schriftstellerin hat viele witchtige Priese bekommen auch hier in Rumanien und auch in Deutschland 1984 den Rumänischen Kinderbuchpreis.

1. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie ein Gesprach mit mir akzeptieren, das sich unter anderen Bedingungen vollzieht als ein gewöhnliches Interview. Ich möchte gerne mit Ihnen über das Buch “Weit, hinter den Wäldern” sprechen. Obwohl Sie Kinderliteratur schreiben, sind Sie auch auf das Problem der Deportation der Rumäniendeutschen in die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangen. Welchen Eindruck hinterlässt ein solches Thema bei den jugendlichen Lesern heute?

Gündisch: Was ich erzähle, können Jugendliche gut verstehen. Wenn ich über die Deportation lese, hören sie sehr aufmerksam zu. Es sind ja auch sehr junge Menschen deportiert worden, siebzehnjährige und manchmal auch noch jüngere. Generell aber wird der 2. Weltkrieg für junge Menschen von heute immer mehr zur Geschichte. Für ältere Leute war dieser schreckliche Krieg erlebte Gegenwart. Die Folgen des Krieges waren lange zu spüren und teilten Europa und die Welt in zwei verfeindete Lager.

2. Mit 36 Jahren, das heißt 1984, haben Sie Ihren ersten Preis für die “Lügengeschichten” erhalten. Wie haben Sie das empfunden, da der Preis Ihnen kurz vor Ihrer Auswanderung nach Deutschland verliehen wurde?

Gündisch: Ich bekam den Preis (noch in Rumänien) und bin kurz danach ausgewandert. Ich habe mich natürlich darüber gefreut. Es war eine Anerkennung und außerdem bekam ich, wenn ich mich gut erinnere, auch 3.000 Lei. Das war viel Geld und ich konnte es gut gebrauchen. Die Auswanderung war teuer. Jedes Dokument oder das Verschicken von Büchern mit der Post kostete viel Geld.

3. Vor der Auswanderung haben Sie Deutsch in Bukarest unterrichtet. Sind Sie beim Schreiben der Bücher von der Zusammenarbeit mit den Kindern beeinflusst worden?

Gündisch: Auf eine unbewusste Art wahrscheinlich schon. Meine Sätze sind einfach und klar. Beim Vorlesen denke ich manchmal daran, wie gut sie sich auch für Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen, eignen. Das trifft vor allem auf meine ersten Bücher zu.

4. Wann haben Sie als Schriftstellerin ein Hochgefühl erreicht ?

Gündisch: Beim Schreiben selbst. Das ist ein Akt der totalen Konzentration auf ein Thema und macht mich glücklich. Darüber hinaus gibt es natürlich auch andere Momente im Schriftstellerleben, die einem ein Hochgefühl geben. Als ich z. B. im wieder eröffneten Schiller- Kulturhaus vor Schülern aus Ihrer Schule gelesen habe oder neulich vor Deutschlehrern auf der Tagung des Deutschlehrerverbandes in Sinaia oder vor dreihundert amerikanischen Lehrern in Baltimore in den USA oder vor Freunden in Michelsberg (Cisnadioara) im Heimatmuseum usw., habe ich dieses Hochgefühl erlebt.

5. Sie haben zwei Kinder, viele Bücher veröffentlicht, die mit Anerkennung durch Preisverleihungen belohnt wurden, trotzdem möchte ich Sie fragen, welches Buch Ihnen am meisten gefällt, mit welcher der Figuren Sie sich identifizieren und warum. Was ist der Glaube, nachdem Sie Ihr Leben gestalten?

Gündisch : Ich habe kein Lieblingsbuch unter meinen Büchern. Jedes ist mir aus anderem Grund wichtig und ich wollte auch keines der Bücher anders geschrieben haben. In den “Geschichten über Astrid” erzähle ich aus der Distanz von etwa 25 Jahren über meine Kindheit. Ich bin nicht Astrid, aber Astrid ist ein Teil von mir. Es sind meine Erinnerungen, die sich aber im Laufe der Jahre verändert haben und außerdem steht ein Gestaltungswille hinter den Texten, der genau so wichtig ist wie das Erlebte und Erinnerte.
Wonach ich mein Leben gestalte? Schwierige Frage. Ich versuche mich nicht zu verbiegen, meine Meinung zu sagen und andere Meinungen zu respektieren. Das Letzte gelingt mir nicht immer. Ich bemühe mich, den Kindern ehrliche Antworten auf ihre Fragen zu geben. Meine Arbeit ist mir wichtig, nicht weil sie bedeutend wäre, sondern weil sie mich erfüllt und meinem Leben einen zusätzlichen Sinn gibt. Außerdem bin ich eine liebevolle Mutter und Großmutter, ich bin immer für meine Familie da.

6. Wie sehen Ihre Handschriften aus? Sind sie wie die von Eminescu tausend Mal korrigiert oder sind sie rein und schön?

Gündisch: Früher schrieb ich mit einer Füllfeder: Diese Texte waren manchmal aus einem Guss und andere Male enthielten sie Korrekturen. Seit etwa zwanzig Jahren arbeite ich am Computer. Die technischen Möglichkeiten dieses Schreibgeräts sind wunderbar und ein ausgedruckter Text sieht druckreif aus, auch wenn er es noch lange nicht ist. Ich schreibe die Korrekturen mit dem Bleistift darüber.

7. “Bis tausend zu wollen und nur bis sechs zu können”: So können wir den aktuellen Stand der rumänischen Gesellschaft beschreiben.Warum können wir nicht mehr? Worin besteht das Geheimnis des Erfolges in Ihren Augen?

Gündisch : Fleiß und Ausdauer sind Voraussetzungen für den Erfolg. Manchmal braucht der Mensch aber auch ein bisschen Glück und auch Gelassenheit. Für mich ist die Bildung sehr wichtig, weil sie Chancen für ein besseres Leben eröffnet. Ich hoffe, dass die jungen Menschen Rumänien ein gutes Stück auf dem Weg zu einer erfolgreichen Gesellschaft voranbringen.

8. Wie stehen Sie nun zu Ihrem Geburtsland? Empfinden Sie Siebenbürgen noch als Heimat?

Gündisch : Ich bin gern in Rumänien und bin da auch gut verwurzelt. Meine Familie hat ein Haus in Siebenbürgen und dort verbringe ich regelmäßig die Ferien. Heimat ist für mich mit Kindheit verbunden und die Kindheit habe ich nun einmal in Siebenbürgen verbracht. Ich habe mir mein Kindheitsland nicht ausgesucht, aber im Nachhinein finde ich, dass ich es ganz gut getroffen habe. In Deutschland habe ich “Luftwurzeln”, die sind auch notwendig. Ich brauche den deutschen Sprachraum.

Ein Interview realisiert von Maria-Daniela Roșescu

Submit your comment

Please enter your name

Your name is required

Please enter a valid email address

An email address is required

Please enter your message

Gutenberger Zeitung – Jugend und Kultur © 2012 All Rights Reserved

Text Lorem ipsum

Designed by WPSHOWER

Idea by Malaya Media